„Wir wollen keine Wohnung aus dem Katalog”

Neulich war ich zu Gast in der Wohnung von Maren und Daniel. Ihr Zuhause in Essen-Bredeney besticht durch schlichte Eleganz, unnötigen Schnickschnack sucht man hier vergeblich. Möbel und Farben wirken dezent und ruhig, während die individuelle Deko der Lehrerin und des Bauingenieurs kreative Spannung in die vier Wände bringt. Ich habe mich sehr wohl bei den Beiden gefühlt und finde, dass die Fotos die Wärme ihres Zuhause gut transportieren. Maren und Daniel wollten nicht vor die Kamera – und natürlich habe ich ihren Wunsch respektiert.

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Wie groß ist Eure Wohnung und wie lange lebt Ihr schon darin?
Maren: Die Wohnung hat circa 95 Quadratmeter. Wir wohnen jetzt hier genau ein Jahr und zwei Wochen. Das können wir uns sehr gut merken, weil unser Einzugstag der Geburtstag von Daniels Mama ist.
Daniel: Stimmt.

Wie würdet Ihr Eure Wohnung bzw. Euren Wohnstil beschreiben?
Daniel: Ich würde sagen, wir versuchen einen bestimmten Einrichtungsstil zu vermeiden. Damit die Wohnung nicht wie aus dem Katalog erscheint. Wir haben ein bisschen was Modernes, ein bisschen was Altes – das hier sind einfach wir.

Was gefällt Euch am besten an Eurer Wohnung? 
Daniel: Das ist gar nicht so einfach…
Maren: Ich mag unseren Erker im Wohnzimmer, weil da ab 7 Uhr die Sonne so toll hereinscheint. Ich setze mich dann Morgens auf die Holzkiste neben der Couch, trinke meinen Kaffee und gucke nach draußen. Das ist schon schön.
Daniel: Ich bin einfach froh, dass wir hier genug verschiedene Möglichkeiten haben, wo man sich je nach Stimmungslage aufhalten kann. Ich bin total gerne in der Küche mit Maren, sitze mit Besuch am großen Esstisch oder verbringe einfach mal einen Abend auf der Couch.
Maren: Einen Fernsehabend auf der Couch machen wir aber eher selten.
Daniel: Stimmt, Couch-Fernseh-Typen sind wir gar nicht. Wenn wir auf der Couch sitzen, dann erzählen wir uns meist was.

Wo verbringt Ihr die meiste Zeit in der Wohnung?
Maren: Ich verbringe die meiste Zeit hier am Esstisch und bereite meinen Unterricht vor. Im Arbeitszimmer ist das eher schwierig, denn Daniel spielt gerne Computer und macht mich dann ganz wahnsinnig mit dem Mouse-Klicken. Deshalb wandere ich immer aus… Wobei es hier auch viel angenehmer ist, zu arbeiten – der Tisch ist viel größer und ich habe eine schöne Aussicht.
Daniel: Wenn Maren und ich nicht zusammen in der Küche sind, dann bin ich in der Regel vor dem Computer.

Wie wird für Euch aus einer Wohnung ein Zuhause?
Maren: Für mich ist es wichtig, dass wir hier alles gemeinsam ausgesucht und eingerichtet haben. Und für mich fühlt es sich dann immer richtig wie Zuhause an, wenn Daniel nach Hause kommt. Ich bin durch den Lehrerberuf ja auch oft tagsüber hier und alleine fühlt sich die Wohnung so leer und zu groß an.
Daniel: Eine große Rolle spielt es auch, in der Wohnung eigene Ideen zu verwirklichen und seinen persönlichen Geschmack einzubringen.

Was habt Ihr in der Wohnung selbst gemacht oder selbst gestaltet?
Maren: Wir haben viele Dinge selbst gemacht: Die Wände gestrichen, die Kücheninsel verkleidet, ich habe die Gipshüte im Schlafzimmer gemacht… Ach, und Daniel hat die Esstischlampe gebaut.
Daniel: Wir haben lange überlegt, welche Lampe wir hier wollen und nie etwas Passendes gefunden. Entweder waren die Lampen hässlich oder wahnsinnig teuer. Es ist zwar nicht schwer, sich mit viel Geld gut einzurichten, aber das ist nicht so unser Ding. Wenn wir etwas gut finden, es aber viel zu viel kostet, dann machen wir es lieber selbst. So war das auch bei der Esstischlampe. Das Design haben wir uns ein wenig abgeguckt von Ingo Maurer. Unsere Lampe besteht aber aus anderen Materialien. Ich habe sie gebaut aus einem Kupfer-Heizungsrohr, Drahtgeflecht, rechteckigem Papier, silbernen Büroklammern und Kupferstäben. Es war gar nicht so einfach, die richtigen Kupferstäbe zu finden, sie sollten gerade und nicht zu dick sein. Wir haben dann eine Kupferspule gekauft, die Drähte passend geschnitten und mit Bohrmaschine und Zange gerade gezogen. Ich habe etliche Stunden mit der Lampe verbracht… Es war viel Arbeit, hat aber auch Spaß gemacht. Die Lampe macht Abends wunderschönes Licht. Und: Sie passt perfekt zu Marens Wandbild.
Maren: Ja, genau. Ich habe Kulturgestaltung studiert und musste mich im dritten oder vierten Semester mit einem Material meiner Wahl auseinandersetzen. Ich entschied mich damals für Kupfer und erzeugte mit verschiedenen Chemikalien künstliche Patina. Daraus entstand dann das große Wandobjekt in unserem Esszimmer.

Was würdet Ihr gerne ändern bzw. was fehlt noch?
Maren und Daniel: Ein Balkon, dann wäre die Wohnung perfekt!

Was liegt auf Eurem Nachttisch?
Maren: Ich habe da eine kleine Wärmflasche und meinen Wecker.
Daniel: Da liegt eigentlich immer ein Buch bzw. jetzt ein Kindle, den ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe und mein Handy.

Habt Ihr einen Deko-Tipp?
Maren: Nicht zu viel Deko! Ich finde, da sollte man immer aufpassen. Staubfänger gibt es bei uns nicht.
Daniel: Wir brauchen immer sehr lange, bis wir etwas Passendes für die Wohnung gefunden haben. Mal eben schnell etwas mitnehmen – das sind wir nicht und dazu würde ich auch nicht raten.

Woher kommen Inspirationen, neue Möbel, Einrichtungsideen?
Maren: Wir gucken uns wenig Kataloge oder Wohnzeitschriften an. Es ist nicht so, dass wir irgendwo etwas sehen und sagen, so wollen wir es haben…
Daniel: Wir denken einfach viel darüber nach, was wir gerne haben wollen oder noch brauchen und wie es idealerweise aussehen sollte. Und kaufen nicht irgendetwas, nur damit was an der Wand hängt.

Beeinflusst der Stadtteil, in dem Ihr lebt, Euer Wohngefühl?
Maren: Seitdem wir in Bredeney wohnen, sind wir häuslicher und ruhiger geworden. Ich weiß aber nicht, ob das an dem Stadtteil liegt, oder ob wir es uns einfach so schön gemacht haben, dass wir einfach gerne zu Hause sind.
Daniel: Wir haben vorher in Essen-Rüttenscheid in einer WG gewohnt. Erst mit dem Umzug nach Bredeney leben wir zu zweit – ich glaube das hat unser Wohngefühl wesentlich mehr beeinflusst als der Stadtteil.

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M+D_02Maren hat Kupferfolie auf Holzplatten gespannt. Die blau-grüne Patina entstand durch die Bearbeitung mit Chemikalien.

M+D_03Kupfer dominiert das Esszimmer und findet sich im Wandobjekt, in der Esstischlampe und in Form von Centmünzen auf einer Vase. Und das schon lange bevor der aktuelle Kupfertrend ausbrach.

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Vielen Dank Maren und Daniel, dass Ihr zu Gast auf meinem Blog seid! Ich habe mich bei Euch Zuhause sehr wohl gefühlt!

9 Kommentare

  1. Ich fühle mich im Esszimmer auch immer sehr wohl! Aber auch in der Küche, im Wohnzimmer…

    • Das freut mich zu lesen, dass Ihnen meine Arbeit gefällt. Leider kann ich das nicht mehr genau sagen, welche Chemikalien ich für die Wirkung verwendet habe. Es war ein langer Prozess des Ausprobierens mit verschiedenen Stoffen, Trockenvorgängen usw. Folglich war es ein Entwicklungsgang, indem es darum ging nicht zu suchen, sondern zu finden…

  2. Ein wunderbares Zusammenspiel von Alt und Neu, auch die Lampe … ein absoluter Hingucker!
    Und das Bild, da kann ich mich nur meinen Vorrednern anschliessen, sieht echt Klasse aus !
    Der Schlafzimmerbereich ist für mich immer am wichtigsten. Der zeigt schöne gerade Linien und strahlt eine herrliche Stille aus. Genau das was man in unserem überfluteten stressfördernden Leben braucht. Danke für den Einblick in Euer Zuhause!

  3. Ich bin begeistert von ihrer selbstgerechten Deckenlampe!!! Würden sie mir verraten, wie Sie die gemacht haben oder ist das ein Geheimnis? Wir haben schon seit Jahren eine Glühbirne von der Decke hängen, von einer Ingo Maurer Lampe können wir nur träumen und ihre ist außerdem VIEL schöner!!! Wenn es Ihnen nichts ausmacht….
    mit vielen lieben Grüßen

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