Möbelstücke mit Geschichte

Diese Wohnküche! Der direkte Zugang zu Terrasse und Garten! Die über 3,20 m hohen Altbauwände mit Feinputz! Der Eichen-Dielenboden! Das alles ist ein absoluter Wohn-Traum, den sich Judith aus Essen vor Kurzem erfüllt hat. Jawohl, denn auch dieses Wohn-Interview habe ich wieder im schönen Stadtteil Rüttenscheid geführt. Hier gibt es so viele coole Wohnungen und Leute, dass Ihr Berliner und Hamburger noch ein klein wenig warten müsst, bis ich für die Wohn-Interviews zu Euch komme. 😉 Nur zehn Minuten musste ich am Sonntag laufen, bis ich vor Judiths Tür stand, die mich mit einem leckeren Frühstück erwartete und geduldig meine Fragen beantwortete.

Judith

Wie groß ist Deine Wohnung und wie lange lebst Du schon darin?
Meine Wohnung ist knapp 90 Quadratmeter groß und ich wohne hier seit Ende Februar. Also noch gar nicht so lange…

Wie würdest Du Deine Wohnung bzw. Deinen Wohnstil beschreiben?
Ich würde sagen, dass es eine Zusammensetzung ist aus Einzelstücken, die mir in meinem Leben begegnet sind. Daher findest du bei mir ganz unterschiedliche Sachen: Es gibt Ikea, es gibt 50er-Jahre Möbel, es gibt Erbstücke. Wichtig ist, dass es gemütlich ist. Ich mag es nicht zu clean.

Was gefällt Dir am besten an Deiner Wohnung? 
Meine Küche gefällt mir sehr gut. Erstaunlicherweise ist das auch immer der Dreh- und Angelpunkt wenn Freunde da sind, obwohl das Wohnzimmer so groß ist. Das ist wohl dieses Küchen-Phänomen… Vielleicht auch, weil man von der Küche direkt rausgehen kann auf die Terrasse und in den Garten. Ansonsten mag ich auch mein Wohnzimmer sehr gerne.

Wo verbringst Du die meiste Zeit in der Wohnung?
Tatsächlich bin ich schon viel in der Küche. Auch wenn ich noch irgendwas am Laptop mache, sitze ich meist am Küchentisch. Das ist echt praktisch.

Wie wird für Dich aus einer Wohnung ein Zuhause?
Also für mich ist das ganz stark auch dann ein Zuhause, wenn meine Sachen da sind. Das habe ich beim Umzug in diese Wohnung sehr deutlich gemerkt. Ich habe meine alte Wohnung sehr gerne gemocht und war etwas wehmütig, als ich sie verlassen habe. Denn sie war schön klein und überschaubar und das hier ist schon relativ groß. Aber sobald meine Sachen hier drin waren, war diese Wohnung mein Zuhause. Wahrscheinlich könnte man mich auf meiner Couch durch die Welt tragen und ich würde mich zu Hause fühlen, weil meine Couch da ist. Das ist das Vertraute und das macht es dann zu dem Eigenen…

Was hast Du in der Wohnung selbst gemacht oder selbst gestaltet?
Ich habe sehr viel selbst gemacht und hatte dabei zum Glück immer Hilfe von Freunden. Als ich die Wohnung übernommen habe, waren im Flur beispielsweise Fliesen, der Rest der Wohnung war mit Teppich ausgelegt und unter dem Teppich waren auch nochmal ganz komische, recht alte Fliesen. Das haben wir dann alles rausgerissen und dabei zwischendurch die Nachbarn verärgert, weil wir zu laut waren. Aber den gesamten Boden zu erneuern geht einfach nicht leise. Jetzt liegt in den Wohnräumen überall Dielenparkettboden, Eiche natur geölt. Den habe ich aber nicht selbst verlegt, sondern das machen lassen.

Meine Freunde haben auch dabei geholfen, die Tapete von den Wänden zu holen und auch von der Decke. Das war eine Heidenarbeit, weil die Decken so hoch sind. Danach haben wir das alles verputzt und gestrichen. Eines samstagmorgens mitten im Renovierungschaos hatte ich das Gefühl, es geht überhaupt nicht vorwärts und dachte, jetzt muss ich mal was Schönes machen, etwas was man sofort sieht. Also bin ich hier in Rüttenscheid in einen Malerbedarfladen gegangen und habe weißen Stuck gekauft. Das sieht zu den hohen Wänden einfach super aus und danach habe ich mich gleich wieder gut gefühlt.

Außerdem habe ich alle Steckdosen ausgebaut und gegen neue ausgetauscht. Denn irgendwie war in jedem Zimmer etwas anderes: Steckdosen in Holzimitat, vergilbte Steckdosen  –  einfach ganz schrecklich. Wenn man am Anfang viel Schwung hat, dann macht man auch viel und irgendwann nimmt das dann etwas ab… 😉

Was würdest Du gerne ändern bzw. was fehlt noch?
Als nächstes möchte ich mich darum kümmern, Bilder an die Wände zu bringen. Ich will aber nicht irgendwelche kaufen, nur damit ich keine nackten Wände mehr habe  – da muss mir schon das richtige begegnen. Es hängen hier schon einige Sachen von meiner Mutter, die Künstlerin ist und ein Atelier in Werden hat und vielleicht finde ich da ja auch noch das ein oder andere schöne Stück.

Langfristig möchte ich gerne den Durchgang im Wohnzimmer  – das waren früher eigentlich mal zwei Zimmer – mit einer weißen Flügeltür zu machen. Weil das raumtechnisch etwas besser ist, wenn man die Bereiche auch mal abtrennen kann. Und vor allem habe ich im Winter festgestellt, dass man wie verrückt heizen muss und diese große Fläche trotzdem nicht richtig warm bekommt. Am liebsten hätte ich dafür eine Altbau-Flügeltür mit schönen Gläsern drin, damit der Durchgang noch sichtbar ist. Außerdem wünsche ich mir für das Wohnzimmer ein langes 50er-Jahre Sideboard, das fänd ich echt toll.

Was liegt auf Deinem Nachttisch?
Oh, da muss ich kurz überlegen… Was liegt denn da? Also, da liegt in der Regel ein Buch, das ich gerade lese. Meist neben einem Stapel von Büchern, die ich im vergangenen halben Jahr gelesen habe. Ohrringe liegen da auch oft rum, wenn ich die im Bad vergessen habe auszuziehen. Zum Ende der Woche sammelt sich dann auch das eine oder andere Paar auf meinem Nachttisch.

Hast Du einen Deko-Tipp?
Mir gefällt es, Lieblingsstücke zu inszenieren. Kerzen finde ich auch immer toll. Und ich liebe frische Blumen. Blumen sind eine hübsche und schnelle Deko, vor allem, weil ich die direkt aus meinem Garten reinholen kann.

Woher kommen Inspirationen, neue Möbel, Einrichtungsideen?
Ich hole mir viele Anregungen, wenn ich bei Freunden oder unterwegs bin. Aber ich plane die Einrichtung meist nicht wirklich und lese auch keine Wohnmagazine. Eigentlich ist alles aus meiner Wohnung per Zufall bei mir gelandet. Es gibt zu jedem Möbelstück eine Geschichte: Der Schaukelstuhl gehörte mal den Eltern einer Freundin, der ist schon 20 Jahre alt. Der Schrank im Schlafzimmer ist von meiner Großmutter, genauso wie der Küchentisch. Das sind die Grundstücke, die ergänzt werden durch praktische Dinge wie beispielsweise Ikea Expedit-Regale.

Beeinflusst der Stadtteil, in dem Du lebst, Dein Wohngefühl?
Ja, absolut. Ich finde es toll, dass ich in Rüttenscheid alles zu Fuß erledigen kann und benutze mein Auto fast gar nicht mehr. Mir gefällt auch, dass man ziemlich schnell im Grünen ist und dass der Stadtteil trotzdem voller Leben und niemals langweilig ist.

Judith_50er

Judith_Bild_Kiste

Judith_Gruselkabinett

Judith_Kiste

Judith_Wohnzimmer_TV

Judith_Wohnzimmer

Judith_Couch

Judith_Couchtisch

Judith_Schaukelstuhl

Judith_Fensterbank

Judith_Küchensessel

Judith_Kerzenhalter

Judith_Küchenzeile

Judith_Herd

Judith_Frühstücksbrett

Judith_Puppen

Judith_Küchentisch

Judith_Küchenstuhl

Judith_Küchenuhr

Judith_Schlafraum

Judith_Schlafzimmerschrank

Judith_Staffelei_Flur

Judith_Terrasse_Detail

Judith_Terrasse

Vielen Dank liebe Judith, dass ich mich bei Dir umsehen durfte! Vor allem, weil Du noch nicht so lange in der Wohnung lebst und trotzdem total entspannt warst, dass noch nicht jede Ecke fertig ist. Toll!

11 Kommentare

  1. Ich finde nichts inspirierender, als echte Wohnungen, in denen Menschen ihre Persönlichkeit einfließen lassen. Und wenn man dann noch die Story dahinter bekommt, ist es ein vollkommener Einblick!

    • Sandra | 3-ZKB

      Mir geht es ganz genauso. Dankeschön Igor! Ich freue mich über Deine Worte und Judith, die uns für diese tolle Housetour ihre Haustür geöffnet hat, sicher auch.

  2. Welch schöne Wohnung und erstklassige Fotos. Da macht das Scrollen richtig Spaß!!! Mehr davon:)

    • Sandra | 3-ZKB

      Haha, ja ich hatte Judith auch ein Papierboot mitgebracht. Das ist von den Farben aber etwas dunkler. Das Schiff aus Deinem Magazin steht vor mir auf dem Wohnzimmertisch. 😀

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