„Mit Stempeln und Mail Art bin ich aufgewachsen”

Die Freunde von Linda können sich zum Geburtstag oder zu anderen besonderen Anlässen über persönliche Briefe, Karten und Notizhefte mit besonderen Aufdrucken wie „Post von Linda“, „Wird wieder abgeholt“ oder „Wichtig!“ freuen. Denn die Kölnerin sammelt seit ihrer Kindheit Stempel – und ist damit die perfekte Kandidatin für meine Reihe „Lieblingsstücke“. Vor zwei Wochen hat mir Linda ihre Schätze gezeigt und verraten, wie ihre Sammelleidenschaft begonnen hat.

Stempel_01Linda bewahrt ihre Stempel in einem alten Schubladenschrank ihres Vaters auf, in demschon er seine Stempel gelagert hatte.

« Ich sammle Stempel schon seit meiner Kindheit in Ostberlin und bin quasi damit aufgewachsen. Mein Vater war Künstler und hat Postkunst, also Mail Art, betrieben. Dabei senden sich Künstler gegenseitig Briefe und Postkarten zu, die sie zu verschiedenen Themen produzieren, schreiben und archivieren. Im Vordergrund steht dabei der Gedanke des Selbstgemachten. Mein Vater hat immer mit dem Siebdruck-Verfahren und mit Stempeln gearbeitet, was in der Kunstszene schon die gleiche Richtung ist.

Mein erster Stempel war ein Adress-Stempel. Den hat mir mein Vater für meine Kinderpost machen lassen. Mit etwa zehn Jahren fing ich dann mit Motivstempeln an. Damals, es war kurz nach der Wende, sind meine Eltern und ich nach Kalifornien gereist und haben dort auch das Geschäft „Stampa Barbara“ in Santa Barbara besucht. Der Laden ist einfach unglaublich: Riesengroß, über mehrere Etagen mit unzähligen Regalen voll hochwertiger Holzstempel. Während sich mein Vater unter anderem den Stempel mit dem Gehirn gekauft hat, habe ich mir eine Katze, einen Hund und ein Einhorn ausgesucht. Was ich heute ganz furchtbar finde… Die Stempel haben dort damals zwischen 4 und 8 Dollar gekostet.

Seit dem Kauf der „Stampa Barbara“-Stempel lege ich, wie es mein Vater auch immer tat, Wert auf hochwertige Gummistempel. Also Holzstempel, die eine Gummischicht und darunter noch eine gepolsterte Schaumstoffschicht haben. Denn je besser ein Stempel gepolstert ist, desto besser ist die Qualität. Solche klassischen Stempel findet man heute beispielsweise noch bei Stempel Baumann in Düsseldorf. Aber natürlich hängt das Ergebnis auch davon ab, dass man richtig stempelt. Die Regel sagt: Für weiche, gepolsterte Stempel benutzt man eine harte Unterlage, für harte Stempel einen weichen Untergrund.

Neue Stempel finde ich nicht nur in speziellen Stempelläden, sondern auch auf Trödel- oder Antikmärkten. Kindermotive wie die Dinosaurier-Stempel meines älteren Sohnes Hugo bekomme ich auch in normalen Geschäften. Viele Stempel lasse ich aber auch anfertigen, wie den Namensstempel für Hugo oder den Cowboyhut für meinen jüngeren Sohn Jim, der nach Cowboy Jim aus Texas benannt wurde. Das kostet um die 7 Euro und ist nach zwei Tagen fertig – dafür muss ich keine teuren Einladungskarten drucken lassen. Und natürlich bekomme ich auch immer wieder neue Stempel von Freunden oder der Familie geschenkt. So wächst meine Sammlung immer weiter.

Nachdem mein Vater 2005 verstorben ist, habe ich die Hälfte seiner Stempel-Sammlung übernommen. Inzwischen müsste ich 200-300 Stempel haben. Ich bewahre sie in einem alten Schubladenschrank meines Vaters auf, in denen auch er seine Stempel gelagert hatte. »

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Stempel_08

Stempel_09 Vielen Dank Linda, dass Du Gast auf meinem Blog bist!

9 Kommentare

  1. Hey Sandra,
    was für tolle Bilder und die schönste Sammelleidenschaft, die ich mir vorstellen kann! Und ich ärgere mich mal wieder, warum ich nicht auf so eine tolle Idee gekommen bin… 😉

    Liebe Grüße, Christina

  2. Stempel finde ich auch interessant – wenn ich nicht so viel sammeln würde, könnte ich mir auch da den Beginn einer Leidenschaft vorstellen :-)

  3. Wahnsinn. Ich glaube, ich muss ganz dringend meine Stempelsammlung erweitern. Vintage-Anatomiestempel – wie cool ist das denn?

  4. Hallo Linda, schöner Artikel über Ihre Stempelsammlung. Ich hatte damals regen Kontakt zu DDR-Künstlern. Vielleicht hatte ich auch mit Ihrem Vater Kontakt? Viele Grüße aus Köln-Weidenpesch an der Pferderennbahn.

  5. Hallo Linda, so eine schöne Geschichte und eine tolle Sammlung :)
    Wie werden denn die vielen Stempel gepflegt? Ich habe noch alte Bilderstempel der Fa. FAMOS, über 40 Jahre alt. Damit haben meine Kinder damals gestempelt. Sie sind recht hart geworden. Kann man dagegen etwas tun? Ist Glyzerin d i e Gummipflege schlechthin? Für einen Tipp wäre ich sehr dankbar. Es sind so schöne Erinnerungen. Liebe Grüße aus Sachsen :)

  6. Jetzt habe ich richtig Lust auf einen persönlichen Stempel bekommen. Über so was habe ich noch nie vorher nachgedacht. Danke für den Artikel.

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