3 Generationen haben damit schon genäht

An diesem Lieblingsstück bin ich sicher schon 1.000 Mal vorbei gegangen – ohne es jemals richtig betrachtet zu haben. Umso interessierter schaute ich heute beim Fotografieren dieses Familienerbstückes hin und umso faszinierter lauschte ich meiner Freundin Susi, als sie mir die Geschichte dazu erzählte.

« Mein Lieblingsstück ist eine Haushaltsnähmaschine von Singer aus dem Jahr 1908, weil viele meiner Familienmitglieder, verstorbene wie lebende, die Maschine benutzt und berührt haben. Sicher hat sich der ein oder andere auch mal gestochen, und es ist DNA ins Holz gesickert. Jedenfalls haben meine Mama, meine Patentante und meine Oma das Handrad berührt, viele tausende Male; haben vorher den Faden angefeuchtet, ihn zusammen gedreht, zum Nadelöhr geführt und ihn hindurch gleiten lassen. Durch kräftiges Treten auf die Trittplatte wurde die Maschine dann über Triebstange, Schwungrad und Antriebsriemen aufgezogen, sie ratterte los – trrrrrrrrrrrrrrrrt. Ärmel, Kragen, Knopfleisten, Hemden – vieles wurde ausgebessert. Sie hatten das alte Fabrikat einfach im Griff. Und sie sind alle drei nicht mehr da. Meine Oma war von 1904 und ist mit 100 Jahren gestorben.

Ich habe die Nähmaschine geerbt und so wie sie war, steht sie bis heute; mit dem alten Zwirn, mit der alten Nadel. Es fehlt jedoch der Antriebsriemen, den müsste ich besorgen und aufziehen. Meine Tante hatte einfach eine Perlon-Strumpfhose benutzt, wenn der Riemen gerissen und kein neuer sofort verfügbar war. Ich müsste ein Ringschiff besorgen, Garn aufspulen, Garnrolle aufsetzen, Faden einfädeln und los legen. Denn die Maschine ist noch voll funktionsfähig. Zur Zeit steht sie aber leider noch still und dient in unserem Flur als Abstellfläche für Telefon, Anrufbeantworter und FritzBox. Den Garnrollenstift nutze ich manchmal, um Ringe oder Armband meiner Tochter dort abzulegen. Man kann die hübsche alte Singer auch ‚in der Versenkung‘ verschwinden lassen. Aber eines Tages wird sie definitiv wieder schnurren. »

Susi

Susi_Nähmaschine 1

Susi_Nähmaschine_vorne

Susi_Nähmaschine 2

Susi_Nähmaschine 3

Susi_Nähmaschine 4

Vielen Dank Susi für diese schöne Geschichte zu Deinem liebsten Wohngegenstand!

Mir gefällt es, wenn Leute ihren handwerklichen Fähigkeiten nachgehen. Ich kann nur häkeln. Und das auch nicht wirklich gut. Und wie sieht es bei Euch aus? Könnt Ihr nähen?  Und, habt Ihr vielleicht auch solch eine alte Nähmaschine wie Susi bei Euch zu Hause stehen?

3 Kommentare

  1. Welch ein Schmuckstück. Meine Nähmaschine ist nicht ganz so alt. Die ist schon elektrisch. Trotzdem hat sie schon viele gute Dienste erbracht. Heute steht die Maschine im Wohnzimmer und wird als „Ablage“ genutzt. Ich selber nähe lieber mit einer modernen Pfaff. Die habe ich vor 17 Jahren von meinen Eltern geschenkt bekommen, um mich kreativ zu entfalten.

    Unser Schmuckstück ist eine alte Wäschemangel im Garten. Unglaublich, dass man früher damit gearbeitet hat.

    • Sandra | 3-ZKB

      Haha, ich bin auch jedesmal froh, dass ich die Wäsche nur in die Maschine stecken muss. Alles andere ist undenkbar.

      Ich wusste gar nicht, dass Du auch eine Nähmaschine hast. Find ich toll!

  2. Susanne Jäschke

    Eine Wäschemangel – wie cool. Auch da muss ich wieder an meine Oma denken, die mich regelmäßig mit diversen Tischdecken zur Heißmangel geschickt hat. Die haben die ja sowas von platt gemacht, da muss sich ein Bügeleisen heutzutage schon mächtig anstrengen, um das so hinzukriegen;-)

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