„Bei mir gibt’s eine alte Tresortür und 4,60 m hohe Decken“

Es ist längst überfällig, dass ich Euch mal wieder mitnehme auf eine Wohnungsbesichtigung, findet Ihr nicht? Diesmal zeige ich Euch die außergewöhnliche Wohnung von Annette aus Bochum. Außergewöhnlich, weil Annette in einem ehemaligen Bankgebäude wohnt und man in einen Teil der Wohnung durch die frühere Tresortür gelangt. Dahinter erstreckt sich ein riesiger Raum, den Annette an freundliche Übernachtungsgäste vermietet. Außerdem betreibt die 47-Jährige mit belle! ahoi ein eigenes Modelabel, mit dem sie Second-Hand-Kleidern zu einem zweiten Leben verhilft. Ihr könnt Euch vorstellen, wie viel es in dieser Wohnung für mich zu entdecken gab…

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Wie groß ist Deine Wohnung und wie lange lebst Du schon darin?
Das Haus ist von 1899 und war über 30 Jahre lang ein Bankgebäude. Daher habe ich in meiner Wohnung auch eine Deckenhöhe von unglaublichen 4,60 m. Das ist in Bochum sehr sehr ungewöhnlich. Die Wohnung misst 213 qm und geht über zwei Häuser. Wenn ich meine Adresse irgendwo angebe, muss ich deshalb auch immer zwei Hausnummern nennen. Ich lebe seit circa einem Jahr hier. Als ich die Wohnung das erste Mal besichtigt habe, fand ich schon den Hausflur mit den wunderschönen Fliesen, den hohen Decken und Rundbögen total beeindruckend. Und als ich dann die Wohnung gesehen habe, wusste ich sofort: das ist etwas ganz besonderes, hier möchte ich unbedingt wohnen. Natürlich muss ich weder 213 qm bewohnen, noch will ich so viel Geld aufbringen, das alles zu bezahlen, deshalb hatte ich die Idee, einen Teil der Wohnung zu vermieten. Das klappt sehr gut, vor allem weil dieser rund 100 qm große Teil der Wohnung durch einen separaten Eingang zu erreichen ist.

Wie würdest Du Deine Wohnung bzw. Deinen Wohnstil beschreiben?
Ich mische Lieblingsstücke aus den 50er und 60er Jahren, aber auch aus den 70er und 80er Jahren. Alles was ich aus dieser Zeit entdecke und was mir gut gefällt, darf hier einziehen. Ich stöbere gerne auf Flohmärkten, nehme viele Stücke aber auch vom Sperrmüll mit. Da finden sich oft tolle tolle Sachen. Ich habe auch einige zeitlose Designklassiker in den Räumen stehen wie den Eames Lounge Chair. Die Mieträume richte ich im gleichen Stil ein wie meine privaten, denn nur so kann ich sie mit Freude anbieten und dahinter stehen.

Was gefällt Dir am besten an Deiner Wohnung?
Das Licht! Besonders in der Küche ist das Licht durch die riesigen Fenster einfach großartig.

Wo verbringst Du die meiste Zeit in der Wohnung?
Ich bin viel im Arbeitszimmer an der Nähmaschine, halte mich bei schönem Wetter aber natürlich auch gerne im Garten auf. Mit Freunden sitze ich gerne in der Küche, da brauche ich kein Wohnzimmer…

Wie wird für Dich aus einer Wohnung ein Zuhause?
Ich habe mich hier ziemlich schnell zu Hause gefühlt, weil ich alle Möbel mitgebracht habe, die ich in vielen Jahren zusammengetragen und hier wieder neu angeordnet habe. Richtig „rund“ wird mein Zuhause für mich durch besondere Kleinigkeiten wie der Frauen-Porzellankopf aus den 60er Jahren oder alte Glasvasen vom Flohmarkt, an denen ich mich täglich erfreue. Eine Wohnung muss wachsen, das dauert natürlich. Man kann nicht einfach in ein Einrichtungshaus gehen, dort alle Möbel kaufen und fertig ist das Zuhause. Ich merke immer wieder, wie wichtig die Mischung aus alt und neu ist, weil sie der Wohnung etwas Warmes gibt.

Was hast Du in der Wohnung selbst gemacht oder selbst gestaltet?
Ich habe fast alle Fußböden selbst verlegt, eine kleine Wand eingerissen und zwei Durchbrüche geschlossen. Ich möbel gerne Fundstücke vom Sperrmüll wieder auf, wie beispielsweise die Stühle, die in den Mieträumen stehen und die ich neu gepolstert habe. Was mir auch Spaß macht: Alte Lampen auseinander nehmen und mit neuen Füßen und Schirmen bestücken.

Was liegt auf Deinem Nachttisch?
Da stehen ein Wecker, eine Blume und zwei Bilder von einer Freundin, die Malerin ist. Außerdem findest du dort ein kleines Töpfchen mit Lippenbutter, meine Lesebrille und Taschentücher. Ganz schön viel eigentlich…

Hast Du einen Deko-Tipp?
Ich bin nicht so der Typ, der Bilder aufhängt. Ich stelle sie lieber auf den Boden, an die Wand angelehnt. Das lässt mir einfach mehr Möglichkeiten, immer wieder umzudekorieren. Räume lassen sich auch sehr leicht verändern, indem man bunte Kissen oder große Glasvasen immer mal wieder umstellt. Spannend finde ich es auch, wenn Gäste etwas neu anordnen – manchmal lasse ich das dann so, weil ich es so tatsächlich noch schöner oder interessanter finde. Dann entsteht plötzlich ein ganz neues Raumbild…

Woher kommen Inspirationen, neue Möbel, Einrichtungsideen?
Ich schaue mir gerne die Seite freundevonfreunden.com an, da gibt es so viele spannende Wohnungen und Menschen anzuschauen. Manchmal bin ich auch auf Pinterest unterwegs, aber oft erschlägt mich dort einfach die Masse an Bildern.

Beeinflusst der Stadtteil, in dem Du lebst, Dein Wohngefühl?
Auf jeden Fall. Mir ist es total wichtig, zentral zu wohnen und die nördliche Innenstadt von Bochum habe ich schnell sehr lieb gewonnen. Hier entwickelt sich so viel, es machen schöne neue Läden auf und ich kann so gut wie alles zu Fuß erreichen. Für meine Gäste ist es natürlich auch von Vorteil, so zentral zu wohnen. Sie sind schnell am Bahnhof, haben es Abends nicht weit, wenn sie im Bermudadreieck Essen oder Ausgehen möchten. Ich kann wirklich sagen: Das hier ist mein Kiez!

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Vielen Dank liebe Annette, dass ich mich bei Dir umsehen durfte und Du zu Gast auf meinem Blog bist!

3 Kommentare

  1. Sehr besonders, sehr rund, sehr ansprechend. Die Tresortür gefällt mir … Definitiv ein Wohngefühl, das nicht jeder haben kann. Schön!

  2. Küche mit Sofa – davon träume ich schon lange. Aber den Sommer würde ich vermutlich komplett in diesem wunderschönen Garten verbringen … tolle Reportage.

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